Anke Wendt: Wenn aus Ideen Lösungen werden

Selbstbestimmt von Anfang an

Unabhängigkeit, Selbstvertrauen und Familie. Mit diesen drei Worten beschreibt Anke Wendt ihre inzwischen 30 Jahre als Unternehmerin. Sie erzählen viel über eine Frau, die früh wusste, was sie wollte, sich nicht gern in vorgegebene Strukturen einordnen ließ und bis heute mit viel Energie neue Ideen entwickelt.

Schon während ihrer kaufmännischen Ausbildung übernahm sie Verantwortung und erkannte schnell, dass ein klassisches Angestelltenverhältnis nicht zu ihr passte. Sie wollte selbst entscheiden, für die eigenen Entscheidungen einstehen und ihre Arbeit nach ihren Vorstellungen gestalten. Mit gerade einmal 20 Jahren war deshalb klar: Sie macht sich selbstständig.

Was zunächst mit ihrer Tätigkeit in der Versicherungsbranche begann, entwickelte Anke Wendt Schritt für Schritt weiter. Parallel bildete sie sich in Betriebswirtschaft, Pädagogik und Psychologie fort. Über den Verein „Frauen in die Wirtschaft“ und das damalige Ressourcencenter begleitete sie in ganz Mecklenburg-Vorpommern Menschen auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Viele von ihnen waren Frauen.

„Eine Entscheidung ist eine Entscheidung. Die Zeit wird zeigen, ob sie richtig war, oder einer Änderung bedarf.“

Dabei ging es ihr nie allein darum, eine Gründung auf den Weg zu bringen. Sie wollte, dass aus einer guten Idee ein gesundes und langfristig tragfähiges Unternehmen entsteht. Hunderte Gründungsinteressierte hat sie in dieser Zeit beraten und unterstützt. Viele der damals gegründeten Unternehmen sind bis heute am Markt. Darauf ist sie stolz.

Vom Blick auf die Zahlen zum Blick auf den Menschen

Mit der Geburt ihrer beiden Kinder veränderten sich auch Anke Wendts berufliche Schwerpunkte. Die Familie rückte stärker in den Mittelpunkt und zugleich entwickelte sich ihre Arbeit weiter. Aus der Gründungsberatung heraus wandte sie sich zunehmend der Frage zu, was Beschäftigte langfristig an ein Unternehmen bindet.

Heute ist Personal Finanz eine Unternehmensberatung mit dem Schwerpunkt Fachkräftebindung. Anke Wendt und ihr Team beraten zu finanziellen Gestaltungsmöglichkeiten, Gesundheit, Mitarbeiterkommunikation und Betriebsklima. Was auf den ersten Blick nach unterschiedlichen Themen klingt, gehört für sie eng zusammen.

„Natürlich muss die Bezahlung stimmen“,

sagt sie. Doch Geld allein schafft weder Vertrauen noch Zugehörigkeit. In ihren Gesprächen mit Beschäftigten erlebt sie immer wieder, dass andere Dinge mindestens ebenso wichtig sind: ein respektvoller Umgang, verlässliche Kommunikation, Vertrauen und die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen.

Anke Wendt ist davon überzeugt, dass Zusatzleistungen ihre größte Wirkung dort entfalten, wo auch das Miteinander stimmt. In einem guten Arbeitsklima werden Benefits als echte Anerkennung wahrgenommen. Fehlt dagegen die persönliche Wertschätzung, können selbst großzügige Angebote wie Schmerzensgeld wirken und sind nie genug.

Deshalb schaut sie gemeinsam mit den Unternehmen hinter die Zahlen. Ein hoher Krankenstand oder eine wachsende Fluktuation können viele Ursachen haben. Nicht alle liegen im Einflussbereich einer Führungskraft. Dennoch lohnt es sich aus ihrer Sicht, genauer hinzusehen: Wie wird im Team miteinander gesprochen? Wo entstehen Missverständnisse? Wo fehlt Klarheit? Und was brauchen Beschäftigte, um ihre Arbeit gut und mit Freude erledigen zu können?

Anke Wendt sucht dabei nicht nach Schuldigen. Sie ist an Lösungen interessiert, will neue Blickwinkel schaffen. Genau das zeichnet ihre Arbeit aus. Sie spricht Dinge offen an, bleibt dabei aber immer auf das Ziel gerichtet: Unternehmen und Beschäftigte miteinander ins Gespräch zu bringen.

Temperament trifft auf fachliche Klarheit

Wer Anke Wendt begegnet, spürt schnell ihre Energie. Sie ist temperamentvoll, direkt und ehrgeizig. Wenn sie von einer Idee überzeugt ist, möchte sie wissen, wie sie umgesetzt werden kann. Ein vorschnelles „Das geht nicht“ akzeptiert sie nur ungern. Für sie beginnt an diesem Punkt häufig erst die Suche nach einem anderen Weg.

Diese Haltung hat sie über viele Jahre getragen. Gerade zu Beginn ihrer Selbstständigkeit musste sie sich als junge Frau in der Finanzwelt stärker beweisen. Männern wurde häufig schneller Kompetenz zugetraut. Anke Wendt setzte dem fachliches Wissen, gute Vorbereitung und ein feines Gespür für Menschen entgegen.

„Ich habe mich immer über meine fachliche Expertise nach vorn gebracht“,

sagt sie. Hinzu kommt ihre Fähigkeit, Stimmungen wahrzunehmen und Zusammenhänge zu erkennen, die sich nicht unmittelbar aus einer Statistik ablesen lassen. Heute wird sie von Unternehmerinnen und Unternehmern, Steuerberatungen und anderen Fachleuten gezielt um Rat gefragt. Für sie ist das eine besondere Form der Anerkennung.

Vorurteile hat sie auf ihrem Weg durchaus erlebt. Davon ließ sie sich jedoch nicht aufhalten. Im Gegenteil: Wenn jemand ihr sagt, dass sie etwas nicht schaffen könne, weckt das ihren Ehrgeiz. Schwierige Erfahrungen haben ihr außerdem gezeigt, wie wichtig Verbündete sind. Besonders Frauen, die einander stärken, Wissen teilen und in entscheidenden Situationen zusammenstehen, können viel bewegen.

Ein Team, das Verantwortung übernimmt

Auch in ihrem eigenen Unternehmen setzt Anke Wendt auf Vertrauen. Ihre Mitarbeiterinnen arbeiten weitgehend selbstständig und wissen, welche Verantwortung sie für ihre Aufgaben und gegenüber den Kundinnen und Kunden tragen. Für Anke Wendt zählt nicht, ob jede Aufgabe genau auf die Weise erledigt wird, die sie selbst gewählt hätte. Entscheidend ist, dass die Lösung funktioniert und die Kundschaft zufrieden ist. Diese Gelassenheit musste sie sich allerdings erst erarbeiten. Früher fiel es ihr schwerer, Verantwortung abzugeben. Sie war sehr perfektionistisch und hatte genaue Vorstellungen vom Ergebnis.

Heute weiß sie, dass unterschiedliche Wege zum Ziel führen können. Sie überträgt nicht nur Aufgaben, sondern auch die dazugehörige Verantwortung. Wenn dabei ein Fehler passiert, wird gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Niemand bleibt damit allein. Besonders wichtig ist ihr, die Stärken eines Menschen zu erkennen. Statt lange an Schwächen zu arbeiten, fragt sie: Was kann diese Person besonders gut? Was fällt ihr leicht? Und an welcher Stelle kann sie genau damit den größten Beitrag leisten?

Dass ihre Mitarbeiterinnen gern im Unternehmen arbeiten und Verantwortung übernehmen, ist für Anke Wendt eine wichtige Bestätigung ihres Führungsstils. Sie spricht liebevoll von ihrer kleinen „Berufsfamilie“.

Der Schritt von der Einzelunternehmerin zur Arbeitgeberin gehörte dennoch zu ihren mutigsten Entscheidungen. Mit einem Team trug sie plötzlich nicht mehr nur Verantwortung für sich selbst, sondern auch für Arbeitsplätze, Menschen und deren Familien. Rückblickend war es für sie genau der richtige Weg. Neue Kompetenzen und Ideen kamen hinzu und sie selbst gewann mehr Freiraum für ihre besondere Stärke: Visionen zu entwickeln und daraus konkrete Lösungen entstehen zu lassen.

Ideenreichtum als unternehmerische Stärke

Stillstand passt nicht zu Anke Wendt. Sie ist neugierig, probiert aus und denkt bestehende Angebote weiter. Ein Beispiel dafür ist das Siegel „Top Unternehmen mit Strahlkraft“. Es soll Unternehmen sichtbar machen, in denen Beschäftigte nicht nur als Arbeitskraft betrachtet werden, sondern als Menschen, die mit ihren Fähigkeiten und ihrem Engagement wesentlich zum Erfolg beitragen.

Nicht jede Idee kann sofort umgesetzt werden. Manche braucht Zeit, andere muss noch einmal verändert werden. Das hält Anke Wendt nicht davon ab, weiterzudenken. Sie sieht Chancen, entwickelt erste Schritte und prüft, was daraus entstehen kann.

Gerade damit ist sie ein Vorbild für andere Frauen. Sie zeigt, dass Unternehmertum nicht bedeutet, von Beginn an auf alles eine Antwort zu haben. Es bedeutet, sich gut vorzubereiten, eine Entscheidung zu treffen und den Mut zu haben, den ersten Schritt zu gehen.

Ihr Rat an Frauen mit einer Geschäftsidee ist deshalb klar:

„Einfach machen.“

Selbstvertrauen gehört für sie ebenso dazu wie die Bereitschaft, Fehler zuzulassen. Nicht jede Entscheidung wird sich als richtig erweisen. Doch auch daraus können neue Erkenntnisse und bessere Lösungen entstehen.

Ebenso wichtig sind Menschen, die den eigenen Weg unterstützen. Anke Wendt selbst wurde durch Frauen aus dem Verein „Frauen in die Wirtschaft“ gefördert. Auch männliche Wegbegleiter haben sie fachlich und persönlich geprägt. Entscheidend war für sie immer der Austausch auf Augenhöhe.

Heute gibt sie ihre Erfahrungen weiter, engagiert sich in Netzwerken und steht auch als Mentorin zur Verfügung. Sie möchte Frauen ermutigen, ihren Fähigkeiten zu vertrauen und wirtschaftliche Themen selbstbewusst anzugehen. Dazu gehört für sie auch ein unverkrampfterer Umgang mit Geld. Geld ist für sie nicht das eigentliche Ziel, sondern ein Mittel, um Möglichkeiten zu schaffen, Ideen umzusetzen und etwas zu bewegen.

Mit Gelassenheit in die Zukunft

Nach 30 Jahren Selbstständigkeit hat Anke Wendt eine neue Form der Gelassenheit gefunden. Lange war ihr Denken von „höher, schneller, weiter“ geprägt. Heute geht es ihr stärker darum, gesund zu bleiben, Zeit für die Familie zu haben und gemeinsam mit ihrem Team erfolgreich zu arbeiten.

Ihre Tochter studiert Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Personalmanagement und sammelt praktische Erfahrungen im Unternehmen. Ob sie Personal Finanz eines Tages übernimmt, ist offen. Anke Wendt möchte diese Entscheidung nicht vorwegnehmen. Sie selbst kann sich gut vorstellen, noch lange Ideen einzubringen und als „Head of Vision“ neue Entwicklungen anzustoßen, sich aber nach und nach aus der operativen Verantwortung zurückzuziehen.

Was verbinden Sie mit dem Begriff „Lieblingsplatz“?

»Mein Lieblingsplatz ist am Meer. Dort finde ich Ruhe, Abstand und Zeit für mich.«

Was verbinden Sie mit dem Begriff „Einzigartigkeit“?

»Einzigartigkeit bedeutet für mich, etwas zu sehen oder zu spüren, was andere vielleicht noch nicht wahrnehmen. Dieses Gespür für Menschen und Situationen ist dabei eine meiner besonderen Stärken.«

Was verbinden Sie mit dem Begriff „Tapetenwechsel“?

»Ich liebe meine Arbeit und brauche keinen Tapetenwechsel, um meinem Alltag zu entfliehen.«

Steckbrief

Name:
Anke Wendt

Jahrgang:
1975

Anzahl Kinder:
2

Hobbies:
Persönlichkeit, Radfahren, Kampfsport

Ehrenamtliche Tätigkeiten:
Ruht im Moment

Branche / Unternehmen:
Unternehmensberatung Personal Finanz

Position:
Inhaberin

Schwerpunkte der aktuellen Tätigkeit:
Aufwertung des Humankapitals, Fachkräftebindung
Senkung Krankenstand, leistungsfähige Mitarbeitende

Wie viele Mitarbeiter/innen sind Ihnen unterstellt?
5