Simone Brenner - Steuerberaterin und Partnerin der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Sie ist Diplom-Kauffrau, Steuerberaterin, Partnerin und seit über 23 Jahren Teil der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Ihr Lebenslauf wirkt auf den ersten Blick „unspektakulär“. Kein Arbeitgeberwechsel-Marathon, keine steilen Sprünge. Doch genau darin liegt die Besonderheit: kontinuierliche Entwicklung, wachsende Verantwortung und immer wieder der Mut, Chancen zu ergreifen.

Wie hat Ihre berufliche Laufbahn begonnen?

Ich komme ursprünglich aus Mecklenburg-Vorpommern und bin in einer ganz klassischen Umgebung groß geworden. Nach dem Abitur habe ich eine kaufmännische Ausbildung in Baden-Württemberg gemacht, weil ich meinem Mann gefolgt bin. Danach habe ich in Wismar BWL studiert mit Schwerpunkt Steuer- und Wirtschaftsprüfung.

Nach dem Studium 2002 war die Joblage schwierig, akademische Abschlüsse waren in der Region damals nicht so gefragt. Trotzdem bin ich am Ball geblieben und habe bei BDO in Hamburg angefangen; Montagmorgen hin, Freitagabend zurück pendeln. Damals gab es weder Homeoffice noch flexible Modelle. Ich habe viel gearbeitet und mich schnell vom Teammitglied zur Managerin entwickelt.

Wann kam der Punkt, an dem Sie Verantwortung übernommen haben?

Während meiner ersten Elternzeit, mit meinem Sohn im Arm, wurde die Leitung der BDO-Niederlassung in Rostock vakant. Es war ein Angebot, das mich total überrascht hat: 33 Jahre alt, mitten in der Elternzeit und plötzlich Standortleitung. Es war eine Lebensentscheidung, die ich mit meinem Mann besprochen habe. Die Option zurück nach Hamburg gab es, aber ich dachte: Wenn ich jetzt nicht diese Chance nutze, geht sie an jemand anderen.

Am Anfang war es herausfordernd: Ich kannte die Kollegen wie Mandanten in Rostock nicht. Meine Vorgänger hatten dort Jahrzehnte erfolgreich gewirkt und waren charismatische Persönlichkeiten. Als „Neue aus Hamburg“ wurde ich intern erst einmal skeptisch betrachtet. Ich musste mich beweisen – auch durch Fehler.

Sie erwähnten Fehler. Was genau meinen Sie damit?

Ein Beispiel war meine Idee zur Einführung einer Kernarbeitszeit, weil ich es schwierig fand, dass freitags schon um 13 Uhr wenige nur noch im Büro waren . Diese Entscheidung kam nicht gut an.

Ich habe gelernt: Gute Führung heißt nicht nur viel zu reden oder Regeln aufzustellen. Gute Führung heißt, Menschen mitzunehmen und auch zu wissen, wann man aufhören muss zu erklären.

Es war ein Lernprozess: zuhören, reflektieren, entscheiden. Gerade in Rostock und generell im Osten funktioniert Führung oft anders als im Norden oder Westen. Menschen hier wollen oft klare Entscheidungen. Diskussion allein reicht da nicht.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Mein Führungsstil ist sehr kommunikativ und menschenorientiert. Ich glaube daran, dass man Menschen dort abholt, wo sie stehen und nicht von oben herab führt. Für mich heißt Führung: zuhören, sprechen, verstehen. Oft rede ich vielleicht zu viel, das wird mir auch gesagt. Aber für mich ist das wichtig, weil ich glaube, dass Vertrauen so entsteht.

Und Vertrauen war entscheidend: Als ich erneut in Elternzeit gegangen bin, hat mein Team den Standort ohne mich gehalten, das war ein Wendepunkt. Danach habe ich gemerkt: Wir funktionieren hier wirklich als Team.

Für mich ist wichtig: Führung ist kein „One-Size-Fits-All“. Jeder muss seinen eigenen Stil entwickeln. Und ich glaube, meine Kombination aus Menschlichkeit, Nähe und fachlicher Expertise macht mich zu der Führungskraft, die ich heute bin.

Sie haben sich auch für die Region entschieden - warum war das wichtig?

Wenn du etwas bewegen willst, musst du dort leben und verwurzelt sein.

Viele Geschäftsführer pendeln nach Rostock und bauen so keine echte Bindung zur Region auf. Ich bin 2014 mit meiner Familie nach Rostock gezogen, weil ich hier nicht nur arbeiten, sondern vollumfänglich ankommen wollte. Und das hat mir geholfen, Beziehungen aufzubauen, zu pflegen und einen nachhaltigen Einfluss zu nehmen.

Sie sind mittlerweile in einer führenden Funktion für die gesamte Region Ost bei der BDO AG. Wie erleben Sie diese Rolle?

Es ist eine neue Herausforderung. Ich leite nunmehr nicht nur den Standort Rostock, sondern die gesamte Region Ost mit Büros in Dresden, Leipzig, Chemnitz und Erfurt. Wir sind in diesen Büros sehr stark in der klassischen Steuerberatung  und arbeiten weiter am Ausbau der Wirtschaftsprüfung. Diese Büros sind leistungsstark und erfolgreich, aber fühlen sich in der großen BDO-Organisation manchmal nicht sichtbar. Hier geht es mir darum, dieser klassischen Steuerberatung eine Stimme zu geben, weil wir einen sehr guten Job machen und eine wichtige Rolle im Mittelstand spielen.

Und ja, ich sitze in einem Gremium mit vielen Wirtschaftsprüfern, viele davon  Männer. Da muss man seinen Stil ein bisschen anpassen, diplomatischer sein, aber ohne seine Persönlichkeit aufzugeben.

Sie engagieren sich auch ehrenamtlich – was bedeutet Ihnen das?

Ehrenamt ist für mich kein Instrument, um Geschäft zu machen. Gesellschaftliche Verantwortung gehört dazu, weil man Teil eines Ganzen ist. Ich bin seit über zehn Jahren im Unternehmerverband aktiv, halte Vorträge zur Unternehmensnachfolge, unterstütze Vereine wie die Basketballer oder beim Förderverein der Rostocker Tafel. Ich gebe Zeit und Engagement, weil ich es wichtig finde – nicht, um etwas zurückzubekommen.

Und Netzwerkarbeit macht mir wirklich Spaß, nicht weil ich daraus unmittelbar Kunden gewinnen will, sondern weil echte Beziehungen entstehen. Gerade Frauen neigen dazu, sehr zweckorientiert an Veranstaltungen heranzugehen: Ich gehe dort hin, aber welchen konkreten Nutzen habe ich davon? Wenn man so denkt, hat man Netzwerkarbeit nicht verstanden. Männer machen das oft strategischer und langfristiger. Wir Frauen versuchen manchmal sofort eine Eins-zu-eins-Beziehung herzustellen: Ich gehe hin und habe am Ende einen neuen Kunden. So funktioniert es nicht. Man muss Freude daran haben.

Netzwerken lebt von Interesse an Menschen, nicht von Erwartungshaltung.

Und wie gelingt Ihnen die Vereinbarkeit von Karriere und Familie?

Perfekte Vereinbarkeit gibt es nicht. Du kannst nicht 100 % Mutter, 100% Ehefrau, 100 % Chefin und 100 % Steuerberaterin sein. Das muss man akzeptieren. Mein Mann ist und war selbstständig und wir haben von Anfang an fast 50:50 gearbeitet. Er hat mich immer unterstützt, wenn ich es nicht konnte oder spontan ausfiel. Wir haben keine Haushaltshilfe oder Nani gehabt, also waren die Tage auch mal lang.

Warum es trotzdem funktioniert? Weil ich meine Arbeit liebe. Kinder spüren, ob du deinen Job gerne machst. Und unsere Kinder sind selbstständig und verantwortungsvoll aufgewachsen – das ist kein Zufall.

Was verbinden Sie mit dem Begriff "Tapetenwechsel"?

Urlaub – wirklich Urlaub. Richtig abschalten.

Was ist Ihr Lieblingsplatz?

Mein Zuhause – ein geschützter Raum, in dem ich mich wohlfühle.

Was verbinden Sie mit dem Begriff "Einzigartigkeit"?

Individualität und aus der Masse herausstechen.

Steckbrief

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Simone Brenner

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