Leonie Tessenow – Unternehmerin mit Herz, Haltung und einer klaren Vision

Leonie Tessenow ist Gründerin und Geschäftsführerin der Tekoha GmbH. Mit ihrem Unternehmen bringt sie ein Produkt nach Deutschland, das in Paraguay längst bekannt ist und für sie weit mehr ist als nur eine Geschäftsidee: Matekaffee. Hinter TEKOHA steckt nicht nur ein Produkt, sondern eine persönliche Geschichte, eine starke Verbindung zu ihrer Heimat und die Vision, mit unternehmerischem Handeln etwas Sinnvolles zu bewegen. Der Name TEKOHA stammt aus der indigenen Sprache Guaraní, die in Paraguay Amtssprache ist, und bedeutet „Heimat“. Genau das spiegelt sich auch in Leonies Business wider: die Verbindung zwischen Herkunft, Haltung und Zukunft.

Der Entschluss zu gründen, kam für sie mit einer besonderen Klarheit. Leonie beschreibt diesen Moment selbst wie einen plötzlichen Funken: „Das war tatsächlich wie die Liebe auf den ersten Blick.“

Als sie das Produkt probierte und nach ihrer ersten Recherche feststellte, dass es das in Deutschland so noch nicht gibt, war für sie sofort klar, dass darin eine Chance liegt. „Es hat mich wie ein Blitz getroffen“, sagt sie. „Ich habe noch an demselben Tag angefangen, einen Businessplan zu entwerfen. Ich wusste sofort: Das ist es.“ Dieser Moment erzählt viel über sie: über Intuition, Entschlossenheit und den Mut, einer inneren Überzeugung zu folgen.

Von Paraguay nach Mecklenburg-Vorpommern: Wie Herkunft zur unternehmerischen Stärke wird

Geprägt wurde Leonie auf ihrem Weg stark durch ihr Elternhaus. Unternehmertum war für sie nie nur Theorie, sondern von klein auf Teil des Lebens. Ihr Vater arbeitete im Exportgeschäft in Paraguay und war selbstständig, auch in ihrer Großfamilie war Selbstständigkeit selbstverständlich. Gespräche über Kredite, Investitionen, Chancen und Risiken gehörten früh zu ihrem Alltag. Gleichzeitig wuchs sie in einem Umfeld auf, in dem Frauen oft nicht berufstätig waren. Umso wichtiger war die Unterstützung ihres Vaters, der sie immer ernst nahm, sie förderte, auf Geschäftsreisen mitnahm und ihr schon früh Verantwortung übertrug. Bereits mit 14 Jahren übernahm sie Teile seiner Buchführung. Diese Mischung aus Vertrauen, unternehmerischem Denken und dem Erleben unterschiedlicher Rollenbilder hat sie tief geprägt.

Auch ihr eigener Weg verlief nicht geradlinig. Mit 18 Jahren kam Leonie nach Deutschland. Ihr paraguayisches Abitur wurde zunächst nicht anerkannt, später absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Erzieherin, ein Weg, von dem sie rückblickend sagt, dass er nicht wirklich ihrer Veranlagung entsprach. Doch sie blieb nicht stehen. Während der Elternzeiten mit ihren drei Kindern absolvierte sie erst einen Bachelor in Psychologie und anschließend einen Master in Wirtschaftspsychologie. Dass ihr Weg Umwege hatte, sieht sie heute nicht als Schwäche, sondern als Erfahrung, aus der etwas gewachsen ist.

Die Wechsel zwischen Paraguay und Deutschland haben Leonie stark gemacht, persönlich und unternehmerisch. Sie sagt:

„Der Wechsel selbst war erst mal schwer, meistens wenn man irgendwo wechselt. Und hat mich vor allen Dingen stark gemacht nicht aufzugeben, durchzuhalten, Perspektiven zu wechseln und einzunehmen.“

Gerade diese Fähigkeit, Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen, ist für sie auch im Business essenziell.

„Das ist definitiv auch für das Business essentiell: durchzuhalten, nicht aufzugeben, die Perspektive mal zu wechseln und daran zu glauben, dass das werden wird.“

Besonders schön beschreibt Leonie auch, was sie aus Paraguay mitgenommen hat. Dort erzählt man sich die Geschichte von einem Mann, der entspannt unter einem Mangobaum sitzt, angelt und Mate trinkt. Ein Unternehmer rät ihm, Kredite aufzunehmen, Boote zu kaufen, zu wachsen und reich zu werden , nur damit er irgendwann an genau diesen Punkt kommt: unter einem Mangobaum zu sitzen und Mate zu trinken. Die Antwort des Mannes lautet sinngemäß: Das mache ich doch jetzt schon. Für Leonie steckt darin eine wichtige Haltung: erfolgreich sein zu wollen und gleichzeitig nicht zu vergessen, das zu schätzen, was bereits da ist. Diese Verbindung aus Ambition und Zufriedenheit ist etwas, das sie aus Paraguay mitgebracht hat.

Dass Gründung nicht nur aus Vision, sondern auch aus Ausdauer besteht, hat sie besonders im ersten Jahr erlebt. Sie gründete im März 2025 und war überzeugt, im Mai starten zu können, doch das Produkt kam erst im Januar 2026 an. Die Monate dazwischen waren geprägt von Behördengängen, Bio-Zertifizierung, Marketingaufbau und dem Aufbau aller notwendigen Strukturen.

„Wirklich gezweifelt nicht, aber es war schon sehr zäh“, sagt sie. Gerade dann zeigte sich eine Stärke, die sie auf ihre Erziehung zurückführt: Disziplin. „Man tut Dinge auch, wenn man keine Lust hat.“

Für sie sind es genau diese kleinen, früh gelernten Selbstverständlichkeiten, aus denen später Durchhaltevermögen entsteht.

Neben dieser Disziplin ist es vor allem ihre Ruhe, die Leonie trägt. Sie weiß sehr genau, was sie braucht, um bei sich zu bleiben. Stille, Zeit für sich, Raum zum Nachdenken. Sie genießt es, ihr Unternehmen von zu Hause aus aufzubauen, wenn Ruhe einkehrt und sie einen Moment hat, um zu reflektieren, Matekaffee zu trinken oder bei einem Business-Podcast Gedanken zu sortieren. Diese bewussten Inseln im Alltag helfen ihr, nicht im Chaos unterzugehen, sondern klar zu bleiben.

Als Unternehmerin möchte Leonie vor allem eines: in ihrer Rolle wahrgenommen werden,  nicht in erster Linie über ihr Geschlecht. Sie beschreibt die Gründerszene als einen Ort, an dem Herkunft, Alter oder Geschlecht oft in den Hintergrund treten, wenn die Idee trägt. Mit einem Lächeln sagt sie, Gründerinnen und Gründer seien oft alle ein bisschen „exotisch“ und vielleicht auch ein wenig waghalsig. Gerade darin fühlt sie sich wohl. Vielleicht unterscheidet sie von anderen besonders ihre doppelte kulturelle Perspektive, aus der sie schöpfen kann  und ihre spürbare Disziplin, mit der sie Dinge wirklich angeht.

TEKOHA als Herzensprojekt: Ein Getränk, das Heimat, Energie und Wirkung verbindet

Ihre Vision für TEKOHA ist dabei klar und berührend zugleich. Leonie möchte mit ihrem Unternehmen nicht nur ein Getränk etablieren, sondern Wirkung schaffen, vor allem in Paraguay. Dort möchte sie Arbeitsplätze sichern und Perspektiven schaffen. Denn Paraguay ist ihre Heimat, ein Land, das ihr viel mitgegeben hat und mit dem sie sich tief verbunden fühlt. Gleichzeitig soll TEKOHA für Freude, Energie und gute Stimmung stehen. Oder, wie sie es selbst sagt:

„Ich hoffe, es steht für ein Getränk, für eine Marke, die Freude verbreitet, Energie verbreitet für gute Laune.“

Leonie Tessenow ist eine Unternehmerin, die nicht laut sein muss, um deutlich zu wirken. Sie verbindet Wärme mit Zielstrebigkeit, Herkunft mit Zukunft und persönliche Haltung mit unternehmerischer Vision. Gerade das macht sie zu einer KlasseFRAU in Mecklenburg-Vorpommern: weil sie zeigt, dass Stärke leise sein kann, Klarheit herzlich und Erfolg immer auch etwas mit Sinn zu tun hat.

Was verbinden Sie mit dem Begriff "Lieblingsplatz"?

»Ein Lieblingsplatz ist für mich ein Ort, an dem ich mich nicht beweisen muss. Wenn ich ich-selbst sein darf, ohne be-und verurteilt zu werden.«

Was verbinden Sie mit dem Begriff "Tapetenwechsel"?

»Durch meine Biografie verbinde ich Tapetenwechsel mit der Fähigkeit, mich in unterschiedliche Kulturen und Lebenswelten hineinzuversetzen. Seit meiner Jugend bewege ich mich zwischen Paraguay und Deutschland. Die Kulturen, Perspektiven und Lebensrealitäten in beiden Ländern könnten teilweise kaum unterschiedlicher sein. Um mich in beiden Welten zuhause zu fühlen, war und ist es für mich wichtig, mich in gewissem Maße anzupassen, ohne dabei meine eigenen Werte aus den Augen zu verlieren. Besonders feministische Themen spielen dabei für mich persönlich eine zentrale Rolle. «

Was verbinden Sie mit dem Begriff "Einzigartigkeit"?

»Mit Einzigartigkeit verbinde ich vor allem, mich selbst gut zu kennen: zu wissen, was ich gerade brauche, und mir meine eigene Einzigartigkeit zuzugestehen. Dabei muss sie nicht immer nach außen sichtbar oder ausgesprochen werden. Oft reicht es, sie selbst anzuerkennen und wertzuschätzen. Diese Selbsterkenntnis gibt Kraft, herausfordernde Situationen und Zeiten zu meistern – und auch in Momenten zu bestehen, in denen man sich zunächst unsicher fühlt.«

Steckbrief

Name:
Leonie Tessenow

Jahrgang:
1990

Anzahl Kinder:
3 Kinder, 2014, 2016, 2018

Hobbies:
Musik, Politik, Psychologie und Gesellschaftsthemen

Ehrenamtliche Tätigkeiten:
Mitglied im Kinder- und Jugendausschuss der ev. Kirche Pinnow

Branche / Unternehmen:
Lebensmittelhandel I TEKOHA GmbH

Position:
Geschäftsführerin und Gründerin

Schwerpunkte der aktuellen Tätigkeit:
Aufbau der Marke Tekoha, Import, Vertrieb und Marketing des Produktes: Matekaffee