Birgit Waniorek - Koordination Ehrenamt bei der Wohlfahrtsorganisation ASB RV Süd-West-Mecklenburg e.V.

Sie stärkt Menschen, macht Frauen mutig und zeigt, was möglich wird, wenn Engagement auf Haltung trifft.
Birgit Waniorek wurde 2026 als „Frau des Jahres Mecklenburg-Vorpommern“ ausgezeichnet. Geehrt wurde damit eine Frau, die Verantwortung übernimmt, andere stärkt und unsere Gesellschaft aktiv mitgestaltet. Beim ASB Süd-West-Mecklenburg koordiniert sie das Ehrenamt, verantwortet Aufgaben in der Breitenausbildung und bereitet Menschen auf medizinische Notfälle und Lagen des Bevölkerungsschutzes vor. Sie organisiert, vernetzt, motiviert und sorgt dafür, dass Menschen im Ernstfall handlungsfähig sind.

Birgit Waniorek im Interview

Was treibt dich an?

»Mich treibt der Wunsch an, Menschen stark zu machen. Nicht nur fachlich, sondern auch menschlich. Es geht darum, anderen etwas mitzugeben, das bleibt: Vertrauen in sich selbst, Mut zum Handeln und das Gefühl, Verantwortung übernehmen zu können.«

Was bedeutet dir die Auszeichnung als Frau des Jahres 2026?

»Diese Auszeichnung ist ein wichtiges Zeichen und ein bedeutender Preis für die Sichtbarkeit von Frauen.«

Genau darin liegt für sie die besondere Kraft der Ehrung. Sie ist nicht mit einem Preisgeld verbunden, aber mit etwas, das oft noch wichtiger ist: öffentlicher Wahrnehmung. Frauen sichtbar zu machen, die Verantwortung tragen, Gesellschaft gestalten und andere stärken, ist auch der Kern der KlasseFRAUEN-Idee.

Warum ist dir Frauenförderung so wichtig?

»Weil Gleichstellung nicht irgendwann passiert, sie muss aktiv gestaltet werden.»

Birgit Waniorek setzt sich besonders dafür ein, mehr Frauen für Blaulichtorganisationen zu gewinnen und sie gezielt zu ermutigen, auch Leitungsaufgaben zu übernehmen. Denn Frauenförderung steckt dort vielerorts noch am Anfang, Strukturen sind nicht überall zeitgemäß. Umso mehr braucht es Frauen, die Veränderungen anstoßen, ganz konkret, praktisch und wirksam.

Was möchtest du anderen Frauen mitgeben?

»Traut euch. Nehmt euren Platz ein. Und wartet nicht darauf, dass euch jemand sagt, dass ihr bereit seid.«

Sie selbst kennt die Zweifel, die viele Frauen begleiten. Auf die Nachricht von ihrer Auszeichnung reagierte sie zuerst ungläubig: „Sind Sie sicher? Wollen Sie nicht noch einmal nachgucken, ob Sie wirklich mich ausgewählt haben?“ Heute sagt sie: Das Impostor-Syndrom ist oft nur ein Echo alter Zweifel, nicht die Wahrheit. Führung braucht keine Perfektion, sondern Klarheit, Mitgefühl und die Bereitschaft, Verantwortung zu tragen, auch wenn es unbequem wird.

Wofür stehst du in deiner Arbeit?

»Für Menschlichkeit, Selbstvertrauen und Beteiligung.«

Im Rettungsdienst hat Birgit Waniorek gelernt, dass der schlimmste Einsatz oft nicht der schwere Verkehrsunfall ist. Es sind die Lebensumstände hinter dem Notfall: die alleinerziehende Mutter, die nicht mehr kann, die alte Dame, die nach einem Sturz mit ihrem Dackel entwurzelt ist, oder der obdachlose Mensch, über dessen Bedürfnisse andere entscheiden. Diese Begegnungen haben sie geprägt: Führung beginnt für sie immer mit dem ehrlichen Blick auf den Menschen.

Diesen Blick bringt sie auch in ihre Kurse und Projekte ein. Dort geht es nicht allein um Erste Hilfe, sondern ebenso um Selbstschutz, Sicherheit und Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit. Ein Beispiel ist der bundesweit beachtete Weltrekordversuch in der Reanimation: 251 Menschen führten 50 Stunden lang ohne Unterbrechung eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durch. Entscheidend war für sie nicht der Rekord, sondern die Botschaft: Jede und jeder kann helfen.

Was macht deine Art von Führung aus?

Birgit Waniorek führt nicht aus der Distanz, sondern durch Verbindung. Sie schafft Räume, in denen Menschen Verantwortung übernehmen können, auch wenn sie sich das selbst zunächst nicht zutrauen. Eine Freundin sagte einmal zu ihr:

„Ja, hätte man vielleicht besser machen können. Aber du hast es gemacht. Und wer ist eigentlich man?“

Ein Satz, der ihr bis heute ein Lächeln ins Herz zaubert und Kraft zum Weitermachen gibt.

von links: Jacqueline Bernhardt (Ministerin für Justiz, Gleichstellung und Verbraucherschutz), Peggy Hildebrand (Landeskoordinatorin Servicestelle „Aufstieg in Unternehmen – Mentoring für Frauen in der Wirtschaft in M-V“) und Birgit Waniorek in Brüssel

Was verbinden Sie mit dem Begriff „Einzigartigkeit“?

»Einzigartigkeit heißt für mich, nicht länger zu wünschen, „normal“ zu sein. Nicht immer leiser, weniger oder angepasster. Ich bin laut, ich bin viel, ich habe Ideen und stoße an. Heute weiß ich: Das ist kein Makel, sondern mein Motor.«

Was verbinden Sie mit dem Begriff „Tapetenwechsel“?

»Tapetenwechsel entsteht für mich in unerwarteten Begegnungen: im ehrlichen Gespräch am Gartenzaun, in einem kurzen Austausch an der Kasse oder in wilden Diskussionen mit meinen klugen Töchtern. Und wenn ich mit meinem Mann unterwegs bin, egal wohin. Nicht das Hotel macht den Unterschied, sondern die Menschen und ihre Geschichten.«

Was verbinden Sie mit dem Begriff „Lieblingsplatz“?

»Mein Lieblingsplatz ist kein bestimmter Ort. Er ist überall dort, wo Menschen sind, die ich liebe, wo ich mich zeigen kann, ohne mich zu erklären, und wo ich nicht stark sein muss, um gesehen zu werden.«

Was bleibt?

Birgit Waniorek ist eine Frau, die andere stark macht und sich nicht mit dem Bestehenden zufriedengibt. Sie verbindet Mut, Verantwortung und Menschlichkeit – mit Kraft, Herzlichkeit und einem kleinen Funken Wahnsinn, den man, wie ihr Lieblingszitat von Robin Williams sagt, niemals verlieren darf. Als Frau des Jahres 2026 zeigt sie, was Sichtbarkeit bewirken kann. Und genau deshalb ist sie eine echte KlasseFRAU.

Steckbrief

Name:
Birgit Waniorek

Jahrgang:
1972

Anzahl Kinder:
3 Kinder, 1995, 2001, 2005

Hobbies:
Chainsaw carving, Flora & Fauna, Abenteuerurlaub, Kunst & Kultur

Ehrenamtliche Tätigkeiten:
Bevölkerungsschutz, Tierschutz, med. Auslandseinsätze FAST-Team

Branche / Unternehmen:
Wohlfahrtsorganisation, ASB RV Süd-West-Mecklenburg e.V.

Position:
Koordination Ehrenamt

Schwerpunkte der aktuellen Tätigkeit:

Modernes Ehrenamt, Verbesserung Ehrenamtssituation politisch/ gesellschaftlich, Frauen in Führungspositionen sowie inklusives Ehrenamt

Wie viele Mitarbeiter/innen sind Ihnen unterstellt?
1-4 Hauptamtlich (Abhängig von der Anzahl FSJler*Innen, 80 im Ehrenamt