Franziska Göttsche – Inhaberin der Jackle & Heidi GmbH

Franziska Göttsche ist Unternehmerin, Mutter, Macherin – und der beste Beweis dafür, dass erfolgreiche Gründungsgeschichten nicht immer geradlinig verlaufen müssen. Bevor sie gemeinsam mit ihrem Partner die Eismanufaktur „Jackle & Heidi“ aufbaute, arbeitete die gelernte Kinderkrankenschwester zunächst ein paar Jahre in ihrem Beruf. Später wechselte sie in die Selbstständigkeit als Fotografin. Dass sie eines Tages Eis produzieren würde, stand damals nicht auf ihrem Lebensplan.

Der entscheidende Impuls kam überraschend: Aus einer spontanen Idee heraus kauften sie und ihr Partner ein Eisfahrrad über eBay. Damit begann eine Entwicklung, die ihr Leben verändern sollte.

Was zunächst als Idee für den Verkauf von Eis auf Veranstaltungen begann, führte schließlich zum Aufbau einer regional bekannten Eismanufaktur, ohne gastronomische Vorerfahrung, ohne Branchenkontakte und ohne fertigen Businessplan. Dafür mit einer klaren Idee, viel Pragmatismus und der Bereitschaft, Dinge einfach auszuprobieren. Genau diese Haltung prägt Franziska Göttsche bis heute.

Mut entsteht nicht durch Sicherheit

Wenn Franziska über Unternehmertum spricht, dann nicht über perfekte Strategien oder den einen entscheidenden Erfolgsfaktor. Vielmehr geht es ihr um Mut – insbesondere für Menschen, die nicht den klassischen Weg über Studium oder Konzernkarriere gegangen sind.

„Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen sehen: Man muss nicht mit dem goldenen Löffel geboren sein, um erfolgreich zu gründen.“

Dabei spricht sie aus eigener Erfahrung. Lange Zeit habe sie sich selbst wenig zugetraut. Dass sie heute ein Unternehmen führt, Mitarbeiter beschäftigt und eine bekannte Marke aufgebaut hat, sei keineswegs selbstverständlich gewesen. Umso wichtiger ist ihr die Vorbildfunktion für andere Frauen und Quereinsteigerinnen.

Erfolg hat drei Buchstaben: Tun

Eine Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben: Dinge nicht endlos zerdenken, sondern ins Handeln kommen.

„Man kann während des Tuns noch denken – aber man muss anfangen.“

Diese pragmatische Denkweise half ihr auch in schwierigen Unternehmensphasen. Gerade in den vergangenen Jahren standen viele mittelständische Betriebe vor großen Herausforderungen. Auch bei Jackle & Heidi gab es Momente, in denen unklar war, wie die Zukunft aussehen würde. Doch statt in Schockstarre zu verfallen, setzte Franziska auf Bewegung, Anpassungsfähigkeit und die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen.

Für sie gibt es ohnehin keine hundertprozentig richtige Entscheidung. Entscheidend sei vielmehr, überhaupt eine Entscheidung zu treffen und daraus zu lernen.

Hilfe anzunehmen, macht stärker

Eine der wichtigsten Erkenntnisse ihrer unternehmerischen Reise war, dass man nicht alles allein schaffen muss.

Früher habe sie geglaubt, Hilfe anzunehmen sei ein Zeichen von Schwäche. Heute sieht sie das genau andersherum. Unterstützung einzufordern, Netzwerke zu nutzen oder sich Rat zu holen bedeute nicht zu versagen – sondern Verantwortung für sich und das eigene Unternehmen zu übernehmen.

„Nach Hilfe zu fragen, macht nicht schwächer. Es macht stärker.“

Gerade Gründerinnen empfiehlt sie deshalb, den Druck herauszunehmen und sich nicht ständig beweisen zu müssen.

Zwischen Eismanufaktur und Familienleben

Neben ihrer Rolle als Unternehmerin ist Franziska Mutter von zwei Kindern. Die Vereinbarkeit von Familie und Selbstständigkeit beschreibt sie offen als ständige Herausforderung.

Das schlechte Gewissen kenne vermutlich jede berufstätige Mutter: Auf der Arbeit denke man an die Kinder, bei den Kindern an die Arbeit. Ihr persönlicher Schlüssel liege darin, den jeweiligen Moment bewusst anzunehmen.

Wenn Familienzeit dran sei, dann sei Familienzeit. Wenn gearbeitet werde, dann mit voller Konzentration. Perfekt werde diese Balance nie sein – aber man könne lernen, freundlicher mit sich selbst umzugehen

Positiv bleiben – auch wenn es schwierig wird

Trotz aller Herausforderungen beschreibt sich Franziska vor allem als grundpositiven Menschen. Für sie steckt selbst in schwierigen Situationen immer auch eine Chance. Diese Haltung habe ihr geholfen, Krisen zu überstehen, Rückschläge einzuordnen und immer wieder neue Wege zu finden.

Auf die Frage, wofür sie einmal in Erinnerung bleiben möchte, antwortet sie deshalb nicht mit Umsatzzahlen oder unternehmerischen Erfolgen.

Sie möchte als Mensch in Erinnerung bleiben. Als jemand, der Mut gemacht hat. Als jemand, der gezeigt hat, dass man sich neu erfinden kann. Und als jemand, der andere dazu inspiriert hat, den ersten Schritt zu gehen.

Denn manchmal beginnt eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte eben nicht mit einem perfekten Plan – sondern mit einem Eiswagen von eBay, einer Idee im Kopf und dem Mut, einfach loszulegen.

Was verbinden Sie mit dem Begriff "Tapetenwechsel"?

»Mein Auslandsjahr in Australien.«

Was verbinden Sie mit dem Begriff "Lieblingsplatz"?

»Ein Ort, an dem ich Kraft tanken kann – umgeben von Natur und Ruhe. Und die Quality time mit meinen Liebsten.«

Was verbinden Sie mit dem Begriff "Einzigartigkeit"?

»Den Mut sich selbst treu zu bleiben und die eigenen Stärken sichtbar zu machen.«

Steckbrief

Name:
Franziska Göttsche

Jahrgang:
1985

Anzahl Kinder:
2 Kinder, 2014 und 2019

Hobbies:
Tennis, Lesen, Kochen, Wandern

Ehrenamtliche Tätigkeiten:
• Mitglied der Initiative des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Energie – Frauen Unternehmen –
• Vorstandsmitglied des AMV Marketinggesellschaft der
Agrar- und Ernährungswirtschaft Mecklenburg-
Vorpommern e.V.
• Mentorin im lokalen Gründerinnen-Netzwerk
Neubrandenburg der Hochschule

Branche / Unternehmen:
Herstellung und Handel von Lebensmitteln,
insbesondere von Eiscreme / Jackle & Heidi
GmbH

Position:
Gründerin und Geschäftsführerin

Schwerpunkte der aktuellen Tätigkeit:
• Strategische Unternehmensführung
• Geschäftsentwicklung und Vertrieb
• Personalführung und
Organisationsentwicklung

Wie viele Mitarbeiter/innen sind Ihnen unterstellt?
9 Festangestellte und 15 Aushelfende